Oberstufenmusical
- 28. Mai
- 3 Min. Lesezeit

Ein Beitrag von Katrin Hürzeler
Ein Blick hinter die Kulissen:
Diese Woche kamen Antonia und Fiona aus der 9. Klasse ins Finanzbüro. Schülerinnen und Schüler schauen selten vorbei, deshalb hat es mich gefreut, dass sie mit einer Frage zum Programmheft hereinkamen. Antonia erzählte mir von ihren Ideen und meinte, sie wolle eine kurze Zusammenfassung des Musicals ins Heft schreiben. Als ich sie fragte, worum es in Grease gehe, mussten die beiden Neuntklässlerinnen kurz überlegen. Am Ende sagten sie: „Es geht um Liebe, um eine Tanzaufführung und darum, wie stark und feministisch Sandy am Schluss ist.“
Ich musste schmunzeln. Meine eigene Interpretation von Sandy war immer eine andere gewesen. Und genau solche Momente zeigen, wie wertvoll die verschiedenen Aspekte der Theaterpädagogik gerade in dieser Altersstufe sind. Jugendliche entdecken ihre eigenen Sichtweisen und erleben, wie gemeinsames Spiel sie als Gruppe stärkt.
Auf der Bühne zu stehen und zu singen, braucht Mut.
Deshalb möchte ich heute einen kleinen Lichtstrahl auf die Theaterpädagogik werfen und euch gleichzeitig herzlich zum Musical einladen. Die Plätze könnten knapp werden, da am Freitagabend ein Ehemaligen-Apéro stattfindet. Am Samstag und Sonntag hat es sicher genügend Platz für alle, die die Aufführung erleben möchten.
Theaterpädagogik in der Oberstufe:
In der Steinerpädagogik hat Theater einen festen Platz und wird als wichtiger Teil der Persönlichkeitsentwicklung verstanden. Es verbindet künstlerische und soziale Prozesse. Gerade in diesem turbulenten Lebensalter, in dem Jugendliche auf der Suche nach ihrer Rolle und letztlich auf der Suche nach sich selbst sind, bekommt das Theaterspielen eine besondere Bedeutung.
Wenn sie sich mit einer Figur beschäftigen, können sie für einen Moment Abstand zu sich selbst gewinnen und danach vielleicht anders auf sich schauen.
Theaterpädagogik bewegt sich zwischen Kunst und Bildung. Sie bietet Jugendlichen die Möglichkeit, Themen zu erforschen, Rollen auszuprobieren und ihre Sicht auf die Welt zu erweitern. Dabei geht es nicht um perfekte Schauspielkunst, sondern um Selbstwirksamkeit, Ausdruck, soziales Lernen und kritisches Denken. Genau darin liegt die besondere Kraft der Theaterarbeit in der Oberstufe.
Wie sich das im Alltag zeigt:
Wie das in der Praxis aussieht, weiss jede Klasse, die schon einmal ein Musical oder Theaterprojekt auf die Beine gestellt hat.
Proben können lang werden, und es braucht Durchhaltevermögen und nicht nur von den Schülerinnen und Schülern, sondern auch von den Lehrpersonen. Manchmal ist man müde, manchmal geht einem jemand auf die Nerven, und manchmal klappt etwas einfach nicht. Dann heisst es Geduld zu haben, weiterzuprobieren und trotzdem dranzubleiben.
Diese Woche kommt noch die Hitze dazu, während gleichzeitig die Zeit drängt und vieles anders läuft als geplant. Und trotzdem entsteht etwas, das am Ende alle trägt: dieses besondere Gefühl, es gemeinsam geschafft zu haben.
Ein künstlerischer Prozess:
Theater ist unter anderem auch eine Entwicklungsarbeit. Jugendliche befinden sich in einer Phase, in der Identität, soziale Reibung und moralische Fragen eine grosse Rolle spielen. Theater bietet dafür einen Ort, an dem man ausprobieren, scheitern, neu ansetzen und wachsen darf. Vom Programmheft über den Flyer bis hin zur Rollenentwicklung entsteht vieles in ihren Händen. Diese schöpferische Erfahrung gehört zum Kern der Steinerpädagogik und prägt die Theaterarbeit in der Oberstufe.
Und jetzt sind wir bald am letzten Probetag angelangt. Diese letzten Tage sind selten geordnet. Oft herrscht Chaos, Texte sitzen noch nicht, die Stimmen sind müde und die Nerven liegen manchmal blank. Mittlerweile weiss ich, dass genau das dazugehört. Die Zeit wird knapp, der Freitagabend rückt näher, und trotzdem wächst die Zuversicht. Am Ende schaffen sie es immer. Dieser Moment, in dem plötzlich alles zusammenkommt, ist der eigentliche Zauber der Theaterpädagogik.